Wara Wara

Viel Trara um seinen Ruf

Ein Wara Wara sitzt auf einem Säulenkaktus

Der Wara Wara ist ein seltsamer Vogel und zugleich interessanter Zeitgenosse. Er macht lustige Geräusche und ist recht nützlich, wie Du später noch erfahren wirst.

Unsere erste Begegnung mit Waras Waras hatten wir vor einigen Jahren in Westpunt, im Restaurant des Hotelresorts Rancho El Sobrino. Während wir auf unser Essen warteten, kamen unsere Kinder nach einer kleinen Erkundungstour der Location zurück. Aufgeregt zogen sie uns vom Tisch weg – wir sollten unbedingt mitkommen.

Eine lautstarke Entdeckung

Die Kinder waren fasziniert von zwei großen Greifvögeln, die sie in einer Voliere vor dem Restaurant zur Straße hin gefunden hatten. Sie wurden von den fremdartigen Lauten, die diese Vögel von sich gaben, angelockt. Einer saß auf einer Stange, der andere auf dem Boden und gab eine Privatvorstellung seines Könnens: Erst knatterte er merkwürdig, dann beschleunigte er diesen Ton noch einmal zu einem “Brrrrräää”. Dabei warf er seinen Kopf komplett nach hinten. Seine Beobachter ließ er dabei nicht aus den Augen.

Die Kinder hatten solche Vögel bisher weder gesehen noch gehört. Sie fanden sie so witzig, dass sie das Ganze in Bild und Ton festhielten. Wieder und wieder spielten sie die Videos ab und lachten über diese urkomischen Vögel namens Wara Wara. Zu unserem und Deinem Glück, denn jetzt kannst Du Dir den Wara Wara hier auf Relaxed Curacao ansehen und vor allem anhören.

Wara Wara im Rancho El Sobrino – eine kurze Geschichte über unsere Vögel

So lautet die Überschrift auf einem mittlerweile etwas verwitterten Schild am Eingang des Hotels. Ein Bild darauf zeigt einen Mann mit einem Wara Wara auf der Schulter und erzählt die Geschichte der beiden Vögel, die unsere Kinder gefilmt haben.

Es waren einmal zwei Wara Waras, die als Babys von ihrer Mutter verlassen wurden. Ohne die nötige Brutpflege schwebten sie in Lebensgefahr. Ein Einheimischer aus Westpunt fand die beiden Findelkinder und brachte sie zu Randolph Ricardo. Dieser war vor Ort als Tierliebhaber bekannt und zugleich Eigentümer des Rancho El Sobrino. Sein Rancho war früher eine echte Ranch und ein Heim für Tiere aller Art. Erst später wurde es zu dem Hotel, das es jetzt ist. Randolph Ricardo nahm die beiden Jungvögel auf, fütterte sie täglich und gab ihnen ein neues Zuhause. Nach einiger Zeit ließ er sie frei, aber sie kehrten immer wieder zu ihrem Ziehvater ins Rancho El Sobrino zurück. Die beiden Wara Waras waren nicht an ihren natürlichen Lebensraum gewöhnt und hatten nie Jagen gelernt. Deshalb hätten sie in freier Wildbahn wohl auch nicht überlebt.

Wara Wara von Randolph Ricardo mit Schild zu seiner Geschichte im Rancho El Sobrino (Westpunt)

Wara Wara von Randolph Ricardo und ihre Geschichte auf einem Schild im Rancho El Sobrino

Was nicht auf dem Schild steht, sondern zwischen den Zeilen: Randolph muss sich wirklich rührend um die Tiere gekümmert haben. Die Vögel hatten ganz offensichtlich eine innige Beziehung zu Randolph aufgebaut. Das belegt, was auf dem Bild zu sehen ist: Zumindest einer der beiden war handzahm, sonst wäre das Foto mit dem Greifvogel auf seiner Schulter niemals entstanden.

Aufgrund des späteren Restaurantbetriebs wurden die Vögel in der Voliere unter Verschluss gehalten. Andernfalls hätten die Gäste ihren Augen nicht getraut, so unfassbar schnell hätten die Wara Waras ihr Essen vom Teller verschlungen.

Heute sind die beiden Vögel nicht mehr vor Ort und das Restaurant heißt jetzt Cactus Café. Hier sind Emelin und Taco Deine Gastgeber und wir empfehlen Dir, unbedingt die legendäre Peanut Banana Soup zu essen.

Über den Wara Wara an sich

Der allgemeingültige Name für Wara Waras ist Karakara (Caracara plancus). Er gehört zur Familie der Geierfalken (Polyborini) und ist in Mittel- und Südamerika verbreitet. Er ist zu Lande wohl mit einer der größten Vögel auf Curacao – die Straußen auf der Ostrich Farm mal nicht mit eingerechnet.

Der Wara Wara kann eine Länge von über 50 cm und eine Flügelspannweite von etwa 120 cm erreichen. Die Männchen sind kleiner als die Weibchen. Unser Eindruck war, dass beide Geschlechter auf Curacao gefühlt etwas kleiner sind als diese Angaben, aber wir haben die Vögel natürlich nicht messen können.

Nahaufnahme von einem ausgewachsenen Schopfkarakara

Nahaufnahme von einem ausgewachsenen Schopfkarakara

Weitere Erkennungsmerkmale des Raubvogels sind ein schwarzer Scheitel und ein weißer Kopf. Sein Schnabel ist orange-weiß, der Rest des Körpers ist schwarz-braun gebändert. Jungvögel sind meist heller und eher gestrichelt als gebändert. Die Lebenserwartung von Wara Waras liegt bei ca. 30 Jahren.

Weiß der Geier, warum der so schreit

Brehms Tierleben beschreibt das Verhalten des Carancho = Wara Wara wie folgt:

“Beim Schreien legt der Carancho den Kopf ganz auf den Rücken und schnarrt »Traaa«, erhebt ihn wieder und ruft »Rooo« mit einer krächzenden, heiseren Stimme, ähnlich dem Geknarr, welches entsteht, wenn Holz an Holz heftig angeschlagen oder gerieben wird. Dieser Schrei ist auf weithin hörbar, aber höchst unangenehm. (…) Auch das Weibchen schrie laut und unangenehm, aber nur das Männchen warf beim Schreien den Kopf zurück.”
(Brehm, Alfred E. (1892), Brehms Tierleben. Allgemeine Kunde des Tierreichs, Band 6, S. 411-413. Quelle: http://www.biolib.de/brehm/band6/icon_page_00444.html)

Die einzigartigen Laute und das seltsame Gebaren decken sich mit dem, was wir im Rancho beobachtet haben. Wenn das Imponiergehabe mit dem Kopfwerfen eine Eigenart der männlichen Vögel ist, dann ist zumindest einer von Randolphs Wara Waras ein Männchen.

Die beiden Wara Waras im Rancho al Sobrino - daneben zum Vergleich die Strichzeichnung aus Brehms Tierleben von 1892 (Quelle: www.BioLib.de)

Wara Waras aus dem Rancho verglichen mit einer Abbildung aus Brehms Tierleben von 1892 (Quelle: www.BioLib.de)

Natürliche Verkehrs- und Luftüberwachung

Wara Waras ähneln unseren Falken nicht wirklich, denn sie sind keine kleinen, pfeilschnellen Jäger. Ihre langen Beine, die auch atypisch für Falken sind, erlauben ihnen, sich recht geschickt zu Fuß zu bewegen. Genauso gut können sie mit diesen Läufen Beute wegtragen. Die Vögel stolzieren regelrecht über die Straßen und verbringen auch auf dem Boden viel Zeit. Unweigerlich wirst Du bei der Fahrt im Auto über die Insel welchen begegnen, auf der Straße, am Wegesrand, auf Bäumen oder ganz malerisch auf den riesigen Kakteen.

Die Geier kreisen schon

Auch am Himmel bieten sie einen majestätischen Anblick. Der Flügelschlag des Karakaras ist kräftig und geräuschvoll. Seine Augen sind scharf und sein Schnabel spitz, kurzum besitzt er alle Eigenschaften eines guten Jägers und Beobachters. Und so überwacht er den Luftraum, die Strände und die Straßen von Curacao permanent, immer auf der Suche nach etwas Essbarem.

Der Geierfalke ernährt sich hauptsächlich von Aas, verschmäht aber auch keine frische Kost. Zu seiner Beute gehören Insekten, Würmer, Reptilien, Amphibien, sowie gelegentlich kleine Vögel und Säugetiere. Er weiß Vogelnester zu plündern, Fruchtfleisch von Kokosnüssen zu fressen und macht sich unbeliebt, indem er Hühnerküken stiehlt oder andere Tiere anfrisst. Wara Waras sind intelligent und bisweilen tun sich in freier Natur mehrere Vögel zusammen, um größere Beute zu jagen. Auch tote oder sterbende Fische, Strandgut und Haushaltsabfälle zählen zu ihren Nahrungsquellen, da sind sie durchwegs Opportunisten.

Ein junger Geierfalke (Karakara) läuft am Straßenrand entlang

Ein Jungvogel auf Patrouille am Straßenrand

Ranger der Lüfte

Weil Wara Waras wie auch Geier gerne Aas fressen, suchen sie häufig Straßen nach überfahrenen Tieren ab. Wirklich lange liegen Tierkadaver dann auch nicht rum: Die Wara Waras spüren sie auf und beseitigen sie, indem sie sie restlos auffressen. Sie sind bei Temperaturen um die 30° Celsius wirklich sehr nützliche, freiwillige Helfer – wie ein zusätzlicher Straßenreinigungstrupp auf der Insel. Da bleibt nichts liegen… Und so leisten die Wara Waras ihren Beitrag zu einem intakten Ökosystem auf Curacao, indem sie die Umwelt sauber halten.

Hoher Besuch streichelt Wara Wara

Anfang November 2023, besuchte Prinzessin Beatrix, die Schirmherrin der Dutch Caribbean Nature Alliance (DCNA), die ehemalige Plantage Savonet am Fuße des Christoffel Mountain. Gastgeber war CARMABI (Caribbean Research and Management of Biodiversity), vertreten durch Odette Doest, die Vorstandsvorsitzende der gemeinnützigen Stiftung. CARMABI ist Mitglied des DCNA und nutzt den Plantagenkomplex Savonet derzeit als Betriebszentrum für die Abteilung Terrestrische Parks.

Die ehemalige Königin der Niederlande (bis April 2013) erhielt einen Überblick über das halbtrockene Ökosystem von Curacao sowie deren Flora und Fauna. Dabei begegnete sie dem gefiederten Ranger.

Prinzessin Beatrix, ehemalige Königin der Niederlande, streichelt bei ihrem Besuch einen Wara Wara

Prinzessin Beatrix und Odette Doest auf Tuchfühlung mit einem Wara Wara – Quelle: Curacao Chronicle

Maike, unsere gelernte Journalistin, fühlt sich am wohlsten, wenn ihre Füße abwechselnd im warmen Karibiksand und im türkisen Meer paddeln - über und unter Wasser. Ihr geschultes Auge entdeckt für Euch all die Kleinigkeiten am Weges- oder Riffrand, die den Unterschied machen.

Luft auf ein kleines Quiz? Wir haben 100+ kurzweilige Fragen rund um Curacao zusammengestellt. Viel Spaß beim Rätseln!

  • Quizfrage

    Was fressen Iguanas?

    Antwort

    Iguanas sind an sich reine Pflanzenfresser.

    Allerdings wurde bei Jungtieren beobachtet, dass sie sich mitunter Proteinspritzen in Form von Insekten genehmigen. Erwachsene Leguane stehen auf Obst und Gemüse, Samen und Blumen. So mancher Gärtner trauert um verschwundene Blüten oder muss seine Mangos auf den Bäumen mit Iguanas teilen.

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Wara Wara

Viel Trara um seinen Ruf

Ein Wara Wara sitzt auf einem Säulenkaktus

Der Wara Wara ist ein seltsamer Vogel und zugleich interessanter Zeitgenosse. Er macht lustige Geräusche und ist recht nützlich, wie Du später noch erfahren wirst.

Unsere erste Begegnung mit Waras Waras hatten wir vor einigen Jahren in Westpunt, im Restaurant des Hotelresorts Rancho El Sobrino. Während wir auf unser Essen warteten, kamen unsere Kinder nach einer kleinen Erkundungstour der Location zurück. Aufgeregt zogen sie uns vom Tisch weg – wir sollten unbedingt mitkommen.

Eine lautstarke Entdeckung

Die Kinder waren fasziniert von zwei großen Greifvögeln, die sie in einer Voliere vor dem Restaurant zur Straße hin gefunden hatten. Sie wurden von den fremdartigen Lauten, die diese Vögel von sich gaben, angelockt. Einer saß auf einer Stange, der andere auf dem Boden und gab eine Privatvorstellung seines Könnens: Erst knatterte er merkwürdig, dann beschleunigte er diesen Ton noch einmal zu einem “Brrrrräää”. Dabei warf er seinen Kopf komplett nach hinten. Seine Beobachter ließ er dabei nicht aus den Augen.

Die Kinder hatten solche Vögel bisher weder gesehen noch gehört. Sie fanden sie so witzig, dass sie das Ganze in Bild und Ton festhielten. Wieder und wieder spielten sie die Videos ab und lachten über diese urkomischen Vögel namens Wara Wara. Zu unserem und Deinem Glück, denn jetzt kannst Du Dir den Wara Wara hier auf Relaxed Curacao ansehen und vor allem anhören.

Wara Wara im Rancho El Sobrino – eine kurze Geschichte über unsere Vögel

So lautet die Überschrift auf einem mittlerweile etwas verwitterten Schild am Eingang des Hotels. Ein Bild darauf zeigt einen Mann mit einem Wara Wara auf der Schulter und erzählt die Geschichte der beiden Vögel, die unsere Kinder gefilmt haben.

Es waren einmal zwei Wara Waras, die als Babys von ihrer Mutter verlassen wurden. Ohne die nötige Brutpflege schwebten sie in Lebensgefahr. Ein Einheimischer aus Westpunt fand die beiden Findelkinder und brachte sie zu Randolph Ricardo. Dieser war vor Ort als Tierliebhaber bekannt und zugleich Eigentümer des Rancho El Sobrino. Sein Rancho war früher eine echte Ranch und ein Heim für Tiere aller Art. Erst später wurde es zu dem Hotel, das es jetzt ist. Randolph Ricardo nahm die beiden Jungvögel auf, fütterte sie täglich und gab ihnen ein neues Zuhause. Nach einiger Zeit ließ er sie frei, aber sie kehrten immer wieder zu ihrem Ziehvater ins Rancho El Sobrino zurück. Die beiden Wara Waras waren nicht an ihren natürlichen Lebensraum gewöhnt und hatten nie Jagen gelernt. Deshalb hätten sie in freier Wildbahn wohl auch nicht überlebt.

Wara Wara von Randolph Ricardo mit Schild zu seiner Geschichte im Rancho El Sobrino (Westpunt)

Wara Wara von Randolph Ricardo und ihre Geschichte auf einem Schild im Rancho El Sobrino

Was nicht auf dem Schild steht, sondern zwischen den Zeilen: Randolph muss sich wirklich rührend um die Tiere gekümmert haben. Die Vögel hatten ganz offensichtlich eine innige Beziehung zu Randolph aufgebaut. Das belegt, was auf dem Bild zu sehen ist: Zumindest einer der beiden war handzahm, sonst wäre das Foto mit dem Greifvogel auf seiner Schulter niemals entstanden.

Aufgrund des späteren Restaurantbetriebs wurden die Vögel in der Voliere unter Verschluss gehalten. Andernfalls hätten die Gäste ihren Augen nicht getraut, so unfassbar schnell hätten die Wara Waras ihr Essen vom Teller verschlungen.

Heute sind die beiden Vögel nicht mehr vor Ort und das Restaurant heißt jetzt Cactus Café. Hier sind Emelin und Taco Deine Gastgeber und wir empfehlen Dir, unbedingt die legendäre Peanut Banana Soup zu essen.

Über den Wara Wara an sich

Der allgemeingültige Name für Wara Waras ist Karakara (Caracara plancus). Er gehört zur Familie der Geierfalken (Polyborini) und ist in Mittel- und Südamerika verbreitet. Er ist zu Lande wohl mit einer der größten Vögel auf Curacao – die Straußen auf der Ostrich Farm mal nicht mit eingerechnet.

Der Wara Wara kann eine Länge von über 50 cm und eine Flügelspannweite von etwa 120 cm erreichen. Die Männchen sind kleiner als die Weibchen. Unser Eindruck war, dass beide Geschlechter auf Curacao gefühlt etwas kleiner sind als diese Angaben, aber wir haben die Vögel natürlich nicht messen können.

Nahaufnahme von einem ausgewachsenen Schopfkarakara

Nahaufnahme von einem ausgewachsenen Schopfkarakara

Weitere Erkennungsmerkmale des Raubvogels sind ein schwarzer Scheitel und ein weißer Kopf. Sein Schnabel ist orange-weiß, der Rest des Körpers ist schwarz-braun gebändert. Jungvögel sind meist heller und eher gestrichelt als gebändert. Die Lebenserwartung von Wara Waras liegt bei ca. 30 Jahren.

Weiß der Geier, warum der so schreit

Brehms Tierleben beschreibt das Verhalten des Carancho = Wara Wara wie folgt:

“Beim Schreien legt der Carancho den Kopf ganz auf den Rücken und schnarrt »Traaa«, erhebt ihn wieder und ruft »Rooo« mit einer krächzenden, heiseren Stimme, ähnlich dem Geknarr, welches entsteht, wenn Holz an Holz heftig angeschlagen oder gerieben wird. Dieser Schrei ist auf weithin hörbar, aber höchst unangenehm. (…) Auch das Weibchen schrie laut und unangenehm, aber nur das Männchen warf beim Schreien den Kopf zurück.”
(Brehm, Alfred E. (1892), Brehms Tierleben. Allgemeine Kunde des Tierreichs, Band 6, S. 411-413. Quelle: http://www.biolib.de/brehm/band6/icon_page_00444.html)

Die einzigartigen Laute und das seltsame Gebaren decken sich mit dem, was wir im Rancho beobachtet haben. Wenn das Imponiergehabe mit dem Kopfwerfen eine Eigenart der männlichen Vögel ist, dann ist zumindest einer von Randolphs Wara Waras ein Männchen.

Die beiden Wara Waras im Rancho al Sobrino - daneben zum Vergleich die Strichzeichnung aus Brehms Tierleben von 1892 (Quelle: www.BioLib.de)

Wara Waras aus dem Rancho verglichen mit einer Abbildung aus Brehms Tierleben von 1892 (Quelle: www.BioLib.de)

Natürliche Verkehrs- und Luftüberwachung

Wara Waras ähneln unseren Falken nicht wirklich, denn sie sind keine kleinen, pfeilschnellen Jäger. Ihre langen Beine, die auch atypisch für Falken sind, erlauben ihnen, sich recht geschickt zu Fuß zu bewegen. Genauso gut können sie mit diesen Läufen Beute wegtragen. Die Vögel stolzieren regelrecht über die Straßen und verbringen auch auf dem Boden viel Zeit. Unweigerlich wirst Du bei der Fahrt im Auto über die Insel welchen begegnen, auf der Straße, am Wegesrand, auf Bäumen oder ganz malerisch auf den riesigen Kakteen.

Die Geier kreisen schon

Auch am Himmel bieten sie einen majestätischen Anblick. Der Flügelschlag des Karakaras ist kräftig und geräuschvoll. Seine Augen sind scharf und sein Schnabel spitz, kurzum besitzt er alle Eigenschaften eines guten Jägers und Beobachters. Und so überwacht er den Luftraum, die Strände und die Straßen von Curacao permanent, immer auf der Suche nach etwas Essbarem.

Der Geierfalke ernährt sich hauptsächlich von Aas, verschmäht aber auch keine frische Kost. Zu seiner Beute gehören Insekten, Würmer, Reptilien, Amphibien, sowie gelegentlich kleine Vögel und Säugetiere. Er weiß Vogelnester zu plündern, Fruchtfleisch von Kokosnüssen zu fressen und macht sich unbeliebt, indem er Hühnerküken stiehlt oder andere Tiere anfrisst. Wara Waras sind intelligent und bisweilen tun sich in freier Natur mehrere Vögel zusammen, um größere Beute zu jagen. Auch tote oder sterbende Fische, Strandgut und Haushaltsabfälle zählen zu ihren Nahrungsquellen, da sind sie durchwegs Opportunisten.

Ein junger Geierfalke (Karakara) läuft am Straßenrand entlang

Ein Jungvogel auf Patrouille am Straßenrand

Ranger der Lüfte

Weil Wara Waras wie auch Geier gerne Aas fressen, suchen sie häufig Straßen nach überfahrenen Tieren ab. Wirklich lange liegen Tierkadaver dann auch nicht rum: Die Wara Waras spüren sie auf und beseitigen sie, indem sie sie restlos auffressen. Sie sind bei Temperaturen um die 30° Celsius wirklich sehr nützliche, freiwillige Helfer – wie ein zusätzlicher Straßenreinigungstrupp auf der Insel. Da bleibt nichts liegen… Und so leisten die Wara Waras ihren Beitrag zu einem intakten Ökosystem auf Curacao, indem sie die Umwelt sauber halten.

Hoher Besuch streichelt Wara Wara

Anfang November 2023, besuchte Prinzessin Beatrix, die Schirmherrin der Dutch Caribbean Nature Alliance (DCNA), die ehemalige Plantage Savonet am Fuße des Christoffel Mountain. Gastgeber war CARMABI (Caribbean Research and Management of Biodiversity), vertreten durch Odette Doest, die Vorstandsvorsitzende der gemeinnützigen Stiftung. CARMABI ist Mitglied des DCNA und nutzt den Plantagenkomplex Savonet derzeit als Betriebszentrum für die Abteilung Terrestrische Parks.

Die ehemalige Königin der Niederlande (bis April 2013) erhielt einen Überblick über das halbtrockene Ökosystem von Curacao sowie deren Flora und Fauna. Dabei begegnete sie dem gefiederten Ranger.

Prinzessin Beatrix, ehemalige Königin der Niederlande, streichelt bei ihrem Besuch einen Wara Wara

Prinzessin Beatrix und Odette Doest auf Tuchfühlung mit einem Wara Wara – Quelle: Curacao Chronicle

Maike, unsere gelernte Journalistin, fühlt sich am wohlsten, wenn ihre Füße abwechselnd im warmen Karibiksand und im türkisen Meer paddeln - über und unter Wasser. Ihr geschultes Auge entdeckt für Euch all die Kleinigkeiten am Weges- oder Riffrand, die den Unterschied machen.

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Wara Wara

Viel Trara um seinen Ruf

Ein Wara Wara sitzt auf einem Säulenkaktus

Der Wara Wara ist ein seltsamer Vogel und zugleich interessanter Zeitgenosse. Er macht lustige Geräusche und ist recht nützlich, wie Du später noch erfahren wirst.

Unsere erste Begegnung mit Waras Waras hatten wir vor einigen Jahren in Westpunt, im Restaurant des Hotelresorts Rancho El Sobrino. Während wir auf unser Essen warteten, kamen unsere Kinder nach einer kleinen Erkundungstour der Location zurück. Aufgeregt zogen sie uns vom Tisch weg – wir sollten unbedingt mitkommen.

Eine lautstarke Entdeckung

Die Kinder waren fasziniert von zwei großen Greifvögeln, die sie in einer Voliere vor dem Restaurant zur Straße hin gefunden hatten. Sie wurden von den fremdartigen Lauten, die diese Vögel von sich gaben, angelockt. Einer saß auf einer Stange, der andere auf dem Boden und gab eine Privatvorstellung seines Könnens: Erst knatterte er merkwürdig, dann beschleunigte er diesen Ton noch einmal zu einem “Brrrrräää”. Dabei warf er seinen Kopf komplett nach hinten. Seine Beobachter ließ er dabei nicht aus den Augen.

Die Kinder hatten solche Vögel bisher weder gesehen noch gehört. Sie fanden sie so witzig, dass sie das Ganze in Bild und Ton festhielten. Wieder und wieder spielten sie die Videos ab und lachten über diese urkomischen Vögel namens Wara Wara. Zu unserem und Deinem Glück, denn jetzt kannst Du Dir den Wara Wara hier auf Relaxed Curacao ansehen und vor allem anhören.

Wara Wara im Rancho El Sobrino – eine kurze Geschichte über unsere Vögel

So lautet die Überschrift auf einem mittlerweile etwas verwitterten Schild am Eingang des Hotels. Ein Bild darauf zeigt einen Mann mit einem Wara Wara auf der Schulter und erzählt die Geschichte der beiden Vögel, die unsere Kinder gefilmt haben.

Es waren einmal zwei Wara Waras, die als Babys von ihrer Mutter verlassen wurden. Ohne die nötige Brutpflege schwebten sie in Lebensgefahr. Ein Einheimischer aus Westpunt fand die beiden Findelkinder und brachte sie zu Randolph Ricardo. Dieser war vor Ort als Tierliebhaber bekannt und zugleich Eigentümer des Rancho El Sobrino. Sein Rancho war früher eine echte Ranch und ein Heim für Tiere aller Art. Erst später wurde es zu dem Hotel, das es jetzt ist. Randolph Ricardo nahm die beiden Jungvögel auf, fütterte sie täglich und gab ihnen ein neues Zuhause. Nach einiger Zeit ließ er sie frei, aber sie kehrten immer wieder zu ihrem Ziehvater ins Rancho El Sobrino zurück. Die beiden Wara Waras waren nicht an ihren natürlichen Lebensraum gewöhnt und hatten nie Jagen gelernt. Deshalb hätten sie in freier Wildbahn wohl auch nicht überlebt.

Wara Wara von Randolph Ricardo mit Schild zu seiner Geschichte im Rancho El Sobrino (Westpunt)

Wara Wara von Randolph Ricardo und ihre Geschichte auf einem Schild im Rancho El Sobrino

Was nicht auf dem Schild steht, sondern zwischen den Zeilen: Randolph muss sich wirklich rührend um die Tiere gekümmert haben. Die Vögel hatten ganz offensichtlich eine innige Beziehung zu Randolph aufgebaut. Das belegt, was auf dem Bild zu sehen ist: Zumindest einer der beiden war handzahm, sonst wäre das Foto mit dem Greifvogel auf seiner Schulter niemals entstanden.

Aufgrund des späteren Restaurantbetriebs wurden die Vögel in der Voliere unter Verschluss gehalten. Andernfalls hätten die Gäste ihren Augen nicht getraut, so unfassbar schnell hätten die Wara Waras ihr Essen vom Teller verschlungen.

Heute sind die beiden Vögel nicht mehr vor Ort und das Restaurant heißt jetzt Cactus Café. Hier sind Emelin und Taco Deine Gastgeber und wir empfehlen Dir, unbedingt die legendäre Peanut Banana Soup zu essen.

Über den Wara Wara an sich

Der allgemeingültige Name für Wara Waras ist Karakara (Caracara plancus). Er gehört zur Familie der Geierfalken (Polyborini) und ist in Mittel- und Südamerika verbreitet. Er ist zu Lande wohl mit einer der größten Vögel auf Curacao – die Straußen auf der Ostrich Farm mal nicht mit eingerechnet.

Der Wara Wara kann eine Länge von über 50 cm und eine Flügelspannweite von etwa 120 cm erreichen. Die Männchen sind kleiner als die Weibchen. Unser Eindruck war, dass beide Geschlechter auf Curacao gefühlt etwas kleiner sind als diese Angaben, aber wir haben die Vögel natürlich nicht messen können.

Nahaufnahme von einem ausgewachsenen Schopfkarakara

Nahaufnahme von einem ausgewachsenen Schopfkarakara

Weitere Erkennungsmerkmale des Raubvogels sind ein schwarzer Scheitel und ein weißer Kopf. Sein Schnabel ist orange-weiß, der Rest des Körpers ist schwarz-braun gebändert. Jungvögel sind meist heller und eher gestrichelt als gebändert. Die Lebenserwartung von Wara Waras liegt bei ca. 30 Jahren.

Weiß der Geier, warum der so schreit

Brehms Tierleben beschreibt das Verhalten des Carancho = Wara Wara wie folgt:

“Beim Schreien legt der Carancho den Kopf ganz auf den Rücken und schnarrt »Traaa«, erhebt ihn wieder und ruft »Rooo« mit einer krächzenden, heiseren Stimme, ähnlich dem Geknarr, welches entsteht, wenn Holz an Holz heftig angeschlagen oder gerieben wird. Dieser Schrei ist auf weithin hörbar, aber höchst unangenehm. (…) Auch das Weibchen schrie laut und unangenehm, aber nur das Männchen warf beim Schreien den Kopf zurück.”
(Brehm, Alfred E. (1892), Brehms Tierleben. Allgemeine Kunde des Tierreichs, Band 6, S. 411-413. Quelle: http://www.biolib.de/brehm/band6/icon_page_00444.html)

Die einzigartigen Laute und das seltsame Gebaren decken sich mit dem, was wir im Rancho beobachtet haben. Wenn das Imponiergehabe mit dem Kopfwerfen eine Eigenart der männlichen Vögel ist, dann ist zumindest einer von Randolphs Wara Waras ein Männchen.

Die beiden Wara Waras im Rancho al Sobrino - daneben zum Vergleich die Strichzeichnung aus Brehms Tierleben von 1892 (Quelle: www.BioLib.de)

Wara Waras aus dem Rancho verglichen mit einer Abbildung aus Brehms Tierleben von 1892 (Quelle: www.BioLib.de)

Natürliche Verkehrs- und Luftüberwachung

Wara Waras ähneln unseren Falken nicht wirklich, denn sie sind keine kleinen, pfeilschnellen Jäger. Ihre langen Beine, die auch atypisch für Falken sind, erlauben ihnen, sich recht geschickt zu Fuß zu bewegen. Genauso gut können sie mit diesen Läufen Beute wegtragen. Die Vögel stolzieren regelrecht über die Straßen und verbringen auch auf dem Boden viel Zeit. Unweigerlich wirst Du bei der Fahrt im Auto über die Insel welchen begegnen, auf der Straße, am Wegesrand, auf Bäumen oder ganz malerisch auf den riesigen Kakteen.

Die Geier kreisen schon

Auch am Himmel bieten sie einen majestätischen Anblick. Der Flügelschlag des Karakaras ist kräftig und geräuschvoll. Seine Augen sind scharf und sein Schnabel spitz, kurzum besitzt er alle Eigenschaften eines guten Jägers und Beobachters. Und so überwacht er den Luftraum, die Strände und die Straßen von Curacao permanent, immer auf der Suche nach etwas Essbarem.

Der Geierfalke ernährt sich hauptsächlich von Aas, verschmäht aber auch keine frische Kost. Zu seiner Beute gehören Insekten, Würmer, Reptilien, Amphibien, sowie gelegentlich kleine Vögel und Säugetiere. Er weiß Vogelnester zu plündern, Fruchtfleisch von Kokosnüssen zu fressen und macht sich unbeliebt, indem er Hühnerküken stiehlt oder andere Tiere anfrisst. Wara Waras sind intelligent und bisweilen tun sich in freier Natur mehrere Vögel zusammen, um größere Beute zu jagen. Auch tote oder sterbende Fische, Strandgut und Haushaltsabfälle zählen zu ihren Nahrungsquellen, da sind sie durchwegs Opportunisten.

Ein junger Geierfalke (Karakara) läuft am Straßenrand entlang

Ein Jungvogel auf Patrouille am Straßenrand

Ranger der Lüfte

Weil Wara Waras wie auch Geier gerne Aas fressen, suchen sie häufig Straßen nach überfahrenen Tieren ab. Wirklich lange liegen Tierkadaver dann auch nicht rum: Die Wara Waras spüren sie auf und beseitigen sie, indem sie sie restlos auffressen. Sie sind bei Temperaturen um die 30° Celsius wirklich sehr nützliche, freiwillige Helfer – wie ein zusätzlicher Straßenreinigungstrupp auf der Insel. Da bleibt nichts liegen… Und so leisten die Wara Waras ihren Beitrag zu einem intakten Ökosystem auf Curacao, indem sie die Umwelt sauber halten.

Hoher Besuch streichelt Wara Wara

Anfang November 2023, besuchte Prinzessin Beatrix, die Schirmherrin der Dutch Caribbean Nature Alliance (DCNA), die ehemalige Plantage Savonet am Fuße des Christoffel Mountain. Gastgeber war CARMABI (Caribbean Research and Management of Biodiversity), vertreten durch Odette Doest, die Vorstandsvorsitzende der gemeinnützigen Stiftung. CARMABI ist Mitglied des DCNA und nutzt den Plantagenkomplex Savonet derzeit als Betriebszentrum für die Abteilung Terrestrische Parks.

Die ehemalige Königin der Niederlande (bis April 2013) erhielt einen Überblick über das halbtrockene Ökosystem von Curacao sowie deren Flora und Fauna. Dabei begegnete sie dem gefiederten Ranger.

Prinzessin Beatrix, ehemalige Königin der Niederlande, streichelt bei ihrem Besuch einen Wara Wara

Prinzessin Beatrix und Odette Doest auf Tuchfühlung mit einem Wara Wara – Quelle: Curacao Chronicle

Maike, unsere gelernte Journalistin, fühlt sich am wohlsten, wenn ihre Füße abwechselnd im warmen Karibiksand und im türkisen Meer paddeln - über und unter Wasser. Ihr geschultes Auge entdeckt für Euch all die Kleinigkeiten am Weges- oder Riffrand, die den Unterschied machen.

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    Was fressen Iguanas?

    Antwort

    Iguanas sind an sich reine Pflanzenfresser.

    Allerdings wurde bei Jungtieren beobachtet, dass sie sich mitunter Proteinspritzen in Form von Insekten genehmigen. Erwachsene Leguane stehen auf Obst und Gemüse, Samen und Blumen. So mancher Gärtner trauert um verschwundene Blüten oder muss seine Mangos auf den Bäumen mit Iguanas teilen.

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